MADAGASKAR

Land

Madagaskar hat ungefähr die Form einer langgestrecktem Ellipse. Ihre große Achse ist etwa 1600, die kleine an die 400 bis 450 Kilometer lang. Die große erstreckt sich vom Kap Sainte Marie im Süden bis zum Kap d’Ambre im Norden über 13,5 Breitengrade. 

Von Afrika ist die Insel durch den Kanal von Mosambik getrennt, der sich von 1000 bis auf 400 Kilometer Breite verengt. Im Nordwesten ist die aus vier Inseln bestehende vulkanische Gruppe der Komoren  vorgelagert, im Osten liegt in etwa 600 bis 700 km Entfernung die Gruppe der Maskarenen, die drei vulkanischen Inseln Réunion, der „Insel der Poeten“, Mauritius, das Eiland der berühmten blauen Briefmarke, und Rodriguez, die Insel der Viehzüchter.

Madagaskar ist aus kristallinen Gesteinen aufgebaut, vor allem aus Gneis, Granit und Syenit, die die Kalkscholle durchbrochen haben. Diese Gesteine haben die östliche Hälfte der Insel aufgemauert und gewannen nahe der Ostküste ihre größte Höhe.

Im Landesinnern sind sie von einer mächtigen Schicht von Laterit, Humus und mancherlei andern Schwemmerden bedeckt.

Die westliche Hälfte der Insel sowie der größte Teil der Südküste besteht aus Kalk. In mehr oder weniger großer Entfernung vom Meer fällt die Kalkplatte steil ab.

Das Land zwischen Meer und Platte wird durch fruchtbare Anschwemmungen der Flüsse und große Dünenzüge geformt.

Die Dünen der Ostküste sind weniger kräftig aufgeworfen, im Norden, wo die Berge bis an das Meer herantreten, verschwinden sie fast ganz. 

Spuren ehemaliger vulkanischer Tätigkeit sind reichlich zu finden. Zu den alten Vulkanen gehört der im Norden hoch stehende 2880 Meter hohe Tsaratanana und das 2600 Meter Ankaratragebirge in der Mitte der Insel. Heiße Quellen, Lavaergüsse und Kraterseen erinnern an das erloschene Feuer.

 
Klima

Durch die eigenartig langgestreckte Gestalt Madagaskars und die Anordnung seiner Gebirgszüge entstanden vier voneinander sehr verschiedene Landgebiete, die zugleich vier Klimazonen sind. 

-Das Klima im Ostgebiet ist feuchtheißes Tropenklima, demnach für Europäer nicht gesund, vorzüglich auch der Malaria wegen, die vor allem die mehr im Bergland gelegenen Orte bedroht, während die Plätze am Meere weniger gefährdet sind.

Der vom Meer wehende Passatwind schlägt fast seinen ganzen Wassergehalt an den Felsenbergen nieder und verursacht Regenhöhen, die in Tamatave an die 4500 mm betragen. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Tamatave 24°C.

Die Regenzeit ist von der Trockenzeit hier nicht scharf getrennt, so dass beinahe zu allen Jahreszeiten Regenfälle eintreten können.

Die Ostküste ist das Land aller wichtigen Tropengewächse: hier werden Bananen, Kaffee, Kakao, Zuckerrohr, Nelken, Vanille, Mangobäume und Zitrusfrüchte angebaut. Von einheimischen Pflanzen sind die Raphiapalme und die Ravinala die wichtigsten. Viele Edelhölzer, vor allem Palisander, Ebenholz und Rosenholz, machen seinen Reichtum aus und die Flora des Regenwaldes, wenn vieler Arten von Orchideen durchschimmern.

Das Zweite Hauptgebiet, das zentrale Hochplateau, reicht von 17. bis zum 23. Grad südlicher Breite. Auf diesem Plateau sitzt der massige Bergstock des Ankaratragebirges mit dem höchsten Gipfel Tsisfatsavina, der sich 2900 Meter hochtürmt.

Die Flüsse durchziehen das Land in der West- und Nordrichtung, sind sehr zahlreich und enthalten dauernd Wasser. Fast alle entspringen im östlichen Hauptgebirge, und zu ihnen gehören die längsten und wasserreichsten von ganz Madagaskar, vor allem der Riese Betsiboka, mit seinem größten, bei  Antananarivo entspringenden Nebenfuß Ikopa, der in das Meer ( Kanal von Mosambik)  von Majunga mündet.

Die Hauptstadt Antananarivo, in 1300 bis 1400 Meter Höhe gelegen und über mehrere Hügel ausgebreitet zählt man ..................Einwohner. Das Klima dieses Landes ist wegen der Höhe und auch wegen der Lage im Windschatten des Passats, der seinen Wassergehalt bereits am Randgebirge verlor, für den Europäer sehr günstig. Tagsüber ist es hier in der Trockenzeit  heiß, aber die Nächte sind kühl .Morgentemperaturen von 6 bis 8 Grad sind nicht selten.

In der Regenzeit von November bis März ausgiebige Regengüsse, meist am Nachmittag.

Das günstige Klima erlaubt nicht nur die Anpflanzung tropischer und subtropischer Nutzpflanzen wie Reis, Ananas, Zuckerrohr, Bananen u.a., sondern auch zahlreicher europäischer Früchte, Gemüse und Blumen. Viehzucht wird in großem Maße betrieben, überall sieht man die Zebus (Rinder mit Buckel). 

Das Westgebiet erstreckt sich längs der Küste des Kanals von Mosambik ungefähr bis zur Stadt Tulear und zum Lauf des Onilahy und umfasst das zentrale Plateau  im Süden. Mit dem Kammlinien des Gebirges berührt es den Saum des Ostgebietes. Seinen südlichen und südöstlichen Teil sondert man am besten ab, denn hier erreichen Hitze und Trockenheit ihre Höhepunkte, und besondere Pflanzen- und tiergeographische Eigenarten treten auf.

Das Klima dort ist heiß mit zunehmenden Graden nach Norden und mit abnehmenden Regenhöhen nach Süden. Angebaut wird Mais und Maniok, stellenweise auch Hirse, Erdnüsse und Kaperbsen.Die Landschaft kennzeichnet sich mit riesigen Tamarinden und verschiedenen Arten des madagassischen Affenbrotbaumes ( Baobab). Die weitausgedehnten Steppen und Savannen gestatten den halbnomadisierenden Eingeborenen die Zucht größter Zebuherden.Im allgemeinen ist das Klima gesund , wenn auch heiß. 

Das Südgebiet umfasst, etwa vom Lauf des Onilahy bis zum Meer, den Süden und Südwesten des Landes. Im Osten reicht es bis zu den südlichsten Höhen des Randgebirges und begegnet sich dort mit den Südöstlichen Ausläufern des West- und dem südlichsten Teil des Ostgebietes. In diesem Winkel herrschen deshalb die eigenartigsten Wetterverhältnisse, die große Sonderlichkeiten der Flora und Fauna mitbestimmt haben.

Eine ganze Anzahl von Flüssen durchströmt das Land. Aber nur der große Onilahy und einige kleine Flüsse im östlichen Teil bringen dauernd Wasser herbei. Die andern versiegen in der Trockenheit, und die Eingeborenen müssen tiefe Löcher in ihren Sandbetten graben, um zum Grundwasser zu gelangen.

Das Klima übersteigert das des Westens, die Regenhöhe verringert sich bis weit unter 200 mm, eine kleine Menge, die der Himmel nur an wenigen Tagen in der Zeit zwischen Ende November bis März dem Land spendet. Die Temperaturen liegen sehr hoch. Der heißeste bekannte Platz von ganz Madagaskar, Behara, liegt in diesem südlichen Gebiet. Die Nächte aber sind meist recht kühl, gegen Morgen fällt so reichlich Tau, daß die Eingeborenen ihn einsammeln.

Der Boden ist, außer im reinen Kalkgebiet, vor allem im Schwemmland der Flüsse und in großen Senken so ungemein fruchtbar, daß er  trotz der kurzen Regenzeit reichste Ernten hervorbringt: Mais, Kaperbsen, Erdnüsse, Maniok und vor allem Rhizinuskerne. Auch Sisal gedeiht vorzüglich. In den trockenen Flussbetten werden die Knollen der Pataten geerntet.

 
Die Bevölkerung

Über den Ursprung der Madagassen lässt sich nichts bestimmtes sagen.

Wahrscheinlich fuhren die ersten Ansiedler über den Kanal von Mosambik von Afrika herüber: es heißt, der große Affenbrotbaum von Majunga sei als junges Bäumchen von den Einwanderern mitgebracht worden. Es waren wohl Einwanderer aus Afrika. Vermutlich hatten sich in frühester Zeit auch schon Araber auf der Insel niedergelassen, die ihr den Namen „ Insel des Mondes“ gaben. Später überflügelten die auf dem Indischen Ozean herangerifteten, von Wind und Strömung begünstigten Malaien diese ersten Ansiedler. Die Hova im Hochland sind sicherlich nach den Afrikanern eingewandert und haben die Vazimba verdrängt. Diese waren kleine Menschen und kannten nicht den Gebrauch des Eisens, weshalb sie den Speeren der  Hova  weichen mussten. Diese Vazimba  gelten in der Literatur als die Urbevölkerung der Insel. Anscheinend war es eine Zwergrasse. Ob Sie in der Tat heute noch in den Wäldern tief im Süden als pygmäenähnliche Stämme leben, kann ich Ihnen  nicht beantworten. 

Das Volk macht zwischen Hova und Madagassen einen genauen Unterschied. Die Hova sind alle andern Rassen geistig überlegen. Die Männer sind mittelgroß und kräftig gebaut, die Frauen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit Asiatinnen, nicht selten ist die schräge Augenstellung. Das Haupthaar ist schwarz, schlicht oder gelockt, niemals krausig wie bei den Afrikanern. Sie sind zierlich, beweglich und angenehm im Umgang. 

Zum malaiischen Element dürften auch die Betsileo im bergigen Hochland im Süden der Provinz Imerina gehören. Aber sie haben vielfach fremdes Blut aufgenommen. Die Haut ist dunkler, die Nase breiter und die Lippen mehr gewulstet als bei den Hovas.Sie sind große und kraftvolle Gestalten. Gerühmt an ihnen wird ihre Tüchtigkeit als Ackerbauer und Viehzüchter, während die Hovas mehr die Beamten und Kaufleute stellen, Handwerker und auf dem Lande natürlich auch Bauern und Züchter. 

Die afrikanisch beeinflussten Stämme sind ziemlich zahlreich. Die wichtigsten sind die Sakalaven, ein Mischvolk aus den verschwundenen Ureinwohnern der Westküste und den aus Afrika eingewanderten.: wulstige Lippen und krauses Haar beweisen es, auch die Erzeugnisse ihrer Hausindustrie wie Gewerbe und Geflechte. Aber sie sind in der Hauptsache Viehzüchter. 

Mit den Hova standen sie nie auf gutem Fuße. Sie haben ihre Wohnsitze in dem Landgebiet, das vom äußerten Norden über den ganzen Westen hinweg bis nach Tuléar hinab zieht.

Die Sakalaven sind ein schöner Menschenschlag, von sehr dunkler Farbe, zart und glänzend ist ihre Haut. Ihr Haar ist kraus. Das Kinn läuft spitz zu, der Gesichtsausdruck ist klug, sogar bis zu einem gewissen Grad fein. Die Lippen gewulstet, die Nase erscheint breit, die Flügel kräftig geformt. Die Frauen sind groß gewachsen und plastisch.Sie pflegen ihr Haar besonders fein. Ein edler Ausdruck ist diesen Gestalten eigentümlich. Die Küsten- Sakalaven waren einst die gefürchtetsten Seeräuber. Als Krieger waren sie ihren Königen treu ergeben. Sie hassen die Malaien, von denen sie unterworfen wurden. 

Ganz im Norden leben die mit ihnen verwandten Antankaren, die sich mit den Arabern vermischt haben. Ihr Körperwuchs ist kräftig, manche ihrer Frauen sind ganz besonders groß. Sie treiben in der Hauptsache Fischfang. 

Im Süden des zentralen Hochlandes haben die Bara ihren Sitz. Vielleicht stammen  sie von den Sakalaven ab. Es sind große, kräftige Leute, die sich neben den Betsimisaraka für den Bergbau eignen und auch leistungsfähig sind, solange sie beaufsichtigt werden. Andernfalls arbeiten sie im „ mora- mora“ System ( Sachte- Sachte). 

Östlich vom Land der Betsileo wohnen in den Wäldern die Tanala, meist schlanke Menschen mit ziemlich ebenmäßige Gesichtszügen, aber geistig schwach begabt. 

Im Tiefen Süden der Insel sind die Mahafaly, die Antandroy und Antanosy die bedeutendsten Stämme, Mischvölker mit mehr oder weniger gelocktem Afrikahaar. 

Außer diesen Stämmen spielen einige Mitbewohner auf der Insel eine gewisse Rolle: die Inder, Chinesen und Araber.

 

 
Sprache

Die madagassische Landesprache
ist das Malaiische der Hova, doch gibt es zahlreiche Dialekte und französisch aus Zeiten der Kolonie.